Wenn Sie schon einmal versucht haben, Ihre Kleidungsstückidee einem Hersteller per E-Mail zu beschreiben, und am Ende etwas völlig anderes herausgekommen ist, verstehen Sie bereits, warum Tech Packs existieren. Ein Tech Pack ist das wichtigste Dokument im Produktionsprozess. Es richtig zu machen, ist der Unterschied zwischen einem reibungslosen ersten Muster und einem teuren, zeitaufwändigen Fehler.
Was ist ein Tech Pack?
Ein Tech Pack (kurz für technical package) ist ein detailliertes Dokument, das dem Hersteller jede Spezifikation Ihres Kleidungsstücks mitteilt. Stellen Sie es sich als den Bauplan für Ihr Produkt vor: Es sagt der Fabrik genau, wie es zu bauen ist, ohne Raum für Interpretationen zu lassen.
Ohne ein Tech Pack raten die Hersteller. Mit einem vollständigen, gut geschriebenen Tech Pack haben sie alles Notwendige, um beim ersten Versuch ein präzises Muster zu produzieren.
Warum benötigen Hersteller es?
Fabriken arbeiten gleichzeitig mit Dutzenden von Marken zusammen. Sie können sich nicht auf verbale Beschreibungen, Moodboards oder „Mach es wie auf diesem Foto“ verlassen. Jede Entscheidung muss schriftlich dokumentiert werden: wie breit ist das Ärmelbündchen, welche Stichart schließt den Saum ab, wie dick ist die Kordel.
Ein Tech Pack schützt beide Parteien. Es gibt dem Hersteller klare Anweisungen und Ihnen einen Referenzpunkt, um das Muster zu vergleichen. Wenn etwas nicht stimmt, können Sie direkt auf die Spezifikation verweisen.
Was sollte ein Tech Pack beinhalten?
1. Flachzeichnungen (Technische Zeichnungen)
Technische Flachzeichnungen Ihres Kleidungsstücks, Vorder-, Rück- und Detailansichten. Dies sind klare Strichzeichnungen, die das flach liegende Kleidungsstück zeigen und alle Nähte, Taschen, Reißverschlüsse, Schnittteile und Designdetails deutlich darstellen. Dies sind keine Modeillustrationen; es sind technische Zeichnungen für ein Produktionsteam.
2. Maße und Größentabelle
Eine detaillierte Maßtabelle für jede Größe, die Sie produzieren. Maße sollten alle kritischen Messpunkte (POM) abdecken: Brust, Körperlänge, Ärmellänge, Schulterbreite, Saumumfang, Ärmelbündchenbreite und mehr. Geben Sie immer das Kleidungsstückmaß an, nicht das Körpermaß, und beschriften Sie jeden Punkt klar.
3. Stoffspezifikationen
Geben Sie Ihren genauen Stoff an:
- Faserzusammensetzung (z.B. 80% Baumwolle, 20% Polyester)
- GSM, das Flächengewicht des Stoffes
- Konstruktionstyp (French Terry, Fleece, Single Jersey, Twill)
- Farbangabe mit Pantone-Codes, niemals Farbnamen
- Jegliche Veredelung oder Behandlung (Stückfärbung, Enzymwäsche, aufgeraute Innenseite)
4. Konstruktionsdetails
Wie wird das Kleidungsstück zusammengebaut? Sticharten, Nahtausführungen, Verbindungen der Schnittteile und spezifische Konstruktionsmethoden sollten alle spezifiziert werden: Flatlock-Nähte, Overlock-Verarbeitung, Kettenstich, getapte Nähte, verstärkte Belastungspunkte und so weiter.
5. Besätze und Zubehör
Alles, was am Kleidungsstück befestigt ist und nicht der Hauptstoff ist: Reißverschlüsse (Marke, Größe, Zahnart), Knöpfe, Kordeln, Ösen, Knebel und weiteres Zubehör. Seien Sie spezifisch bezüglich Material (Metall vs. Kunststoff) und Finish (Antikmessing, Gunmetal, Nickel).
6. Druck- und Stickgrafiken
Alle Grafiken sollten als Vektordateien (AI- oder EPS-Format) mit Farben in Pantone-Codes eingereicht werden. Geben Sie die genaue Platzierung mit Maßen an: "Stickerei mittig auf der Brust, 9 cm breit, 7 cm unterhalb der Kragennaht."
7. Farbvarianten
Listen Sie jede Farbvariante für dieses Modell auf. Geben Sie für jede die Stofffarbe, Garnfarben, Oberfläche der Metallteile und Etikettenfarben an, alles in Pantone-Codes. Verlassen Sie sich niemals auf einen Monitor-Screenshot oder ein gedrucktes Foto als Farbreferenz.
8. Etiketten und Verpackung
Geben Sie alle Etikettierungen an: Art des Nackenetiketts (gewebt, bedruckt oder Thermotransfer ohne eingenähtes Etikett), Inhalt des Pflegeetiketts, Größenetikett und alle zusätzlichen Patches oder Abzeichen. Fügen Sie Grafikdateien und präzise Platzierungsanweisungen für jedes hinzu.
Tools zur Erstellung eines Tech Packs
- Adobe Illustrator: Industriestandard. Volle Kontrolle, steile Lernkurve.
- Canva oder Google Slides: Funktioniert für sehr einfache Kleidungsstücke; nicht ideal für komplexe Konstruktionen.
- Techpacker: Spezielle Software mit Vorlagen und Tools zur Zusammenarbeit mit Fabriken. Eine solide Mittelklasse-Option.
- Mode-Freelancer: Die Beauftragung eines technischen Designers zur Erstellung Ihres Tech Packs ist für Gründer oft der kostengünstigste Weg. Typische Kosten: £150–£500 pro Modell.
Wie detailliert muss es sein?
Je vollständiger, desto besser, aber Genauigkeit zählt mehr als Länge. Ein Tech Pack mit Fehlern ist schlimmer als eine einfache Beschreibung. Konzentrieren Sie sich darauf, die kritischen Spezifikationen richtig zu machen: Maße, Stoff, Konstruktion und Platzierung der Grafiken. Ihr Hersteller wird klärende Fragen stellen; das ist normal und sinnvoll und bedeutet, dass er aufmerksam ist.
Wenn Sie unsicher sind, wo Sie anfangen sollen, sprechen Sie mit Ihrem Hersteller, bevor Sie das Tech Pack erstellen. Er wird Ihnen genau sagen, was er für Ihren spezifischen Kleidungsstücktyp benötigt.

